Kulturtipp Oktober

Katharina Lang, Kunsthistorikerin in der Galerie Häusler Contemporary in Zürich, spendiert uns die Kulturtipps für den Oktober:

                                                                                                                                        

Für mich kommt mit dem Herbst die Kunst. Und wir sind die Glücklichen, die das geniessen dürfen.
Nebst den grossen Museen sind es für mich aber auch insbesondere die weniger bekannten Orte, die mich interessieren und inspirieren.
Hier eine kleine Auswahl an Kulturtipps für eine Entdeckungstour im Oktober.

 

25.-28. Oktober 2018, Jungkunst | Das lange Wochenend mit Kunst & Musik, Winterthur

Bereits zum 12. Mal findet sie satt, die Jungkunst in Winterthur. Gleich neben dem Hauptbahnhof befindet sich das Sulzer Areal, einst Herzstück der Winterthurer Maschinenindustrie. In der Halle 53 gibt es Kunst & Kultur auf 6000 Quadratmetern.

Junge Kunstschaffende sollen gefördert werden – darum geht es. Es handelt sich um Künstler*innen, die noch am Anfang ihrer künstlerischen Karriere stehen. Ca. 25 Kunstschaffende aus der ganzen Schweiz erhalten hier die Möglichkeit, ihre Kunstwerke zu präsentieren. Nebst den klassischen Gattungen wie Malerei, Fotografie und Skulptur werden dieses Jahr auch eine Reihe von Film- und Video Arbeiten zu sehen sein. Die Halle bietet auch genügend Platz für grossformatige Installationen, die jedes Jahr wieder aufs Neue beeindrucken. Mit Bar, Musik und Rahmenprogramm wird eine lockere, angenehme Atmosphäre geschaffen, die ein breites Publikum anspricht – ein Kunstfestival für Liebhaber und Kunstneulinge.

www.jungkunst.ch

19. Oktober 2018, 19:00 Uhr, Roman Signer «Fotografie & Super-8-Filme», Lustenau
Ausstellung bis März 2019

Roman Signer (*1938) ist einer der bedeutendsten Schweizer Künstler. Zentrales Element seines Schaffens ist der Begriff der Skulptur. Seit den 1970 Jahren trägt er wesentlich dazu bei, diesen neu zu definieren. Mit seinen „Zeit-Skulpturen“ untersucht er Prozesse im Raum. Seine Aktionen verblüffen oft durch ihre Einfachheit und Genialität. Sie können laut, spektakulär und gross sein, aber auch sehr ruhig, langsam und sensitiv. Er selbst versteht sich als Bildhauer und bezeichnet seine Aktionen als Skulpturen.

Die Ausstellung in Lustenau präsentiert ein Konvolut an Schwarzweiss-Fotografien aus den 1970er und 1980er Jahren. Historisch interessant, weil sich Roman Signer mit eben diesen Fotografien vor dreissig Jahren für einen Atelieraufenthalt im Istituto Svizzero in Rom beworben hatte – leider ohne Erfolg. Die Fotografien wurden von Signer selbst aufgenommen und zeigen uns seinen persönlichen Blick auf einige seiner frühen Arbeiten. Das Konvolut ist nun erstmals im deutschsprachigen Raum zu sehen und lässt uns nebst bekannten Motiven auch vieles Neues entdecken.

www.haeusler-contemporary.com

29. September- 2. Dezember 2018, Valentina Stieger «Indoor Life»|Renato Leotta «Eine Sandsammlung», St. Gallen

Die Ausstellung in der Kunst Halle Sankt Gallen zeigt uns zwei weitere jüngere Positionen, die sich mit dem Thema Skulptur beschäftigen. Valentina Stieger (*1980) versucht dabei, Gewöhnliches neu zu interpretieren und hinterfragt Alltägliches, Design und Kunst. Sie formt Bekanntes um zu eigenständigen Skulpturen, die oft ein irritierendes Moment aufweisen und die Betrachtenden zum Nachdenken anregen. Während sich Valentina Stieger mit Alltäglichem im Innenraum beschäftigt, so bewegt sich Renato Leotta (*1982) im Aussenraum und thematisiert in seinen Werken die Natur. Er schafft ein skulpturales Archiv von Meeresspuren im Sand. Oft verwendet er organische Materialen und kreiert Werke, die durch ihre minimalistische Formensprache und Poesie überzeugen.

www.kunsthallesanktgallen.ch