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„Ich, Oma, Opa und Europa. Ein Blick in Vorarlberger Familienalben“

Anni Natzler

 

„für mich ist es gut gewesen und eine Wohltat, dass ich Geld im Sack gehabt habe“

 

Nach dem Krieg hat das Geld oft nicht gereicht, die Landwirtschaft hat uns nicht gehört und hat auch nicht für alle genug abgeworfen. Es war furchtbar wenn man nichts hat und im Geschäft aufschreiben lassen musste. Kindergärtnerin wäre ich gerne geworden, aber die Ausbildung musste man selber finanzieren und Lehrplatz hat es auch keinen gegeben. Ich habe Accord in der Elastisana in Hittisau gearbeitet, und dann sind Werbebriefe gekommen, dass man in Deutschland beim Kunert arbeiten kann. Unsere Chefin in Hittisau wollte uns nicht gehen lassen. Und Leute im Ort meinten „ihr werdet schon sehen, wenn die Grenze wieder zu ist, wo geht ihr dann hin“. Ich habe ab 1961 beim Kunert erst in Oberstaufen, dann in Immenstadt gearbeitet. Der Chef war großzügig, einmal sind wir sogar mit einem Sonderzug auf das Oktoberfest nach München. 13 Jahre habe ich im Akkord Strümpfe gekettelt und der Zahltag war pünktlich und gut. Wir konnten mit dem Bus zur Arbeit, waren abends wieder daheim und mussten kein Zimmer nehmen, wie die, die früher mit dem Wälderbähnle zum Schindler in die Fabrik sind.

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