Rückblick ‚Schichten-mögliche Grenzen‘

Von Nadine Hirschauer:

Ich wollte ein Projekt umsetzten, im öffentlichen Raum, bei dem es um die Schicht geht, die uns berührt. Die Haut, als Schwelle zwischen Körper und Umwelt. Als Grenze zwischen dem Selbst und dem Anderen und als einen Ort für die Aufnahme unserer Sinneseindrücke und was von uns auf die Umwelt zurück appliziert wird. Weiter gefasst: eine Schicht die etwas umhüllt, abgrenzt, schützt und gleichzeitig ausgesetzt ist. Auch Berührungen. Den Kontakt dieser Hüllen mit der umgebenden Landschaft. Intime Momentaufnahmen dieser Berührungen. „Man gelangt an eine Grenze,  nicht indem man sie durchquert, sondern indem man sie berührt“, schreibt Jean-Luc Nancy in Corpus. Ich konnte Alice von Alten,  Ursula Gaisbauer und Nora Gutwenger dazu einladen, eine Arbeit zu dem Thema zu entwickeln. Jede fand ihren Zugang und es war gut zu sehen, wie die unterschiedlichen Ansätze miteinander in Dialog traten. Für meine Arbeit hielt ich mich für eine Woche am Gymnasiumplatz in Feldkirch auf, wo auch Ursula Gaisbauer und Nora Gutwenger ihre Installationen planten. Ich begann alles über den Platz zu notieren, was ich sah, was ich mir dazu dachte, immer genau datiert, mit Uhrzeit und Wetter. Ich versuchte die Texte so aufzubauen, als ob ich den Platz zeichnen würde: Angefangen bei den groben Umrissen, immer tiefer ins Detail gehend.

Es zeichnete sich auch für mich ein Bild vom Platz, bei dem ich immer mehr das Gefühl hatte dieses Gefüge durchschaut zu haben.
Der Kontakt zu Passanten und Menschen, die sich dort aufhielten war ständig sehr intensiv, was dazu geführt hat, dass sich im Text Situationen verdoppelten. Der Mann der schon analysiert, was ich gerade mache wurde auch mitaufgenommen in den Text. Die zeitlichen Verschiebungen wurden zum Schluss hin immer mehr. Von Anfang an und zu Beginn des Prozesses am Gymnasiumplatz stand ein metallenes Zeltgerüst, wie ein Skelett, mitten am Platz. Den Text, den Ich vor Ort verfasst habe, schrieb ich auf mehrere transparente Bahnen Folie, die ich nach und nach, immer wenn eine voll beschrieben war, über das Zelt warf und es so langsam damit bekleidete. Von der ersten bis zur letzten Textbahn konnte man auch die unterschiedlichen Zeiten wieder an ihrem Verwitterungsgrad ablesen. Zum Schluss war das Zelt eine Art Reflexion seiner Umgebung. Viele Passanten blieben stehen und kontrollierten anhand meiner Texte, die sie auf dem Zelt lasen, den Zustand des Platzes in Bezug darauf. Es werden, mit den Texten, neue Geschichten in den Ort eingeschrieben. Jeder Ort besteht aus Geschichten, durch die wir ihn erst konstruieren. Das Darstellen dieser lässt neue Räume entstehen.

Nadine Hirschauer/ August 2018